Das St.-Theresien-Gymnasium, Schönenberg

Darf ich mich kurz vorstellen? Ich bin ein Schweizer Taschenmesser und gehöre einer Pfadfinderin, die  nun schon seit fünf Jahren im Besitz meiner Wenigkeit ist. Ich bin einer der sechs Gegenstände  der Pfadfinderin und darf bei jedem Pfadfinderunternehmen aktiv dabei sein. An ein Lager kann ich mich besonders gut erinnern. Angefangen hat es damit, dass ich und meine Kluftartikelkollegen in eine Tasche geworfen wurden. „Aha, ein Sommerlager…“ ging es mir durch die Klinge, „Aber wo? Und wie lange?“ Die Klamotten türmten sich über mir und an der Menge die auf mir lag, konnte ich erkennen, dass es mindestens zehn Tage dauern würde. Ganz zum Schluss kam noch ein Reisepass in die Tasche. „Aha, Ausland…Österreich! Stimmt, meine Pfadfinderin hatte mal so etwas erwähnt!“

Tags darauf ging es los. Ich wurde mit der Tasche und dem ganzen Inhalt in einen Kofferraum gestopft und dann begann auch schon die Fahrt. Ich langweilte mich mindestens 8 Stunden. Schließlich bin ich mehr Action gewöhnt, als den halben Tag im Koffer zu liegen. Gegen Abend kamen wir endlich in Krumbach an. Aber falls ich nur einen Gedanken daran verschwendet hätte, an diesem Tag noch aus der Tasche zu kommen, so hätte ich mich geirrt. Meine Pfadfinderin musste nämlich erst noch mit ihren Freundinnen die Zelte aufbauen und das war eine harte Sache. Im Dunkeln bauten sie 3 Zelte und eine große Jurte auf. Ich muss schon sagen: Manchmal bewundere ich die Pfadfinderinnen, die so spät abends noch so fleißig sind… Ich machte es mir zwischen der Kluft bequem und versuchte zu schlafen. „Schließlich wird der Tag morgen sehr anstrengend für mich“, dachte ich mir.

Am nächsten Morgen erwachte ich gegen 9 Uhr, als nämlich der Reißverschluss meiner Tasche aufgemacht wurde. „Was, schon so spät?“, rief ich aus. Meine gutgelaunte Pfadfinderin holte sich ihre Kleidungsstücke aus der Tasche und nahm auch mich heraus. Ich durfte nun in ihre Rocktasche kriechen. Die Kluft hatte sie nicht angezogen, schließlich musste ja erst alles aufgebaut werden. Was ich an diesem Tag alles geleistet habe, kann ich euch nicht erzählen! Aber es war auf alle Fälle sehr anstrengend. Ich musste schnitzen, Schnüre schneiden, entasten usw. und abends fiel ich todmüde in die Tasche. Und ich glaube, meine Pfadfinderin war auch nicht fitter. Sie hatte mit den Anderen die Lagerbaute und einen Bannermast aufgebaut… Abends durften wir eine Hl. Messe besuchen, die in der Kapelle der Familie Jeindl von Pater Amselgruber gefeiert wurde. Danach gab es noch eine Abendrunde mit leckeren Würstchen.

Tags darauf hatten wir um 7.30 Uhr eine Hl. Messe und anschließend Frühstück. Gegen Mittag fand endlich unser erster Banneraufzug statt. Auf den freue ich mich immer ganz besonders. Ich mag es nämlich, wenn der Wind mit den Fahnen spielt. Außer Aufbauen war an diesem Tag nichts los und deshalb freute ich mich schon auf den Donnerstag. Da fand nämlich das lang ersehnte große Spiel statt!

Früh morgens, nach einer Nachprimiz von Pater Kokis, bei der die Herren Jeindl Schola sangen, durften wir endlich erfahren, um was es bei dem  großen Spiel ging. Um Ritter, die den Hl. Gral suchen! Das war äußerst spannend und ich fieberte mit, während ich in der Rocktasche meiner Pfadfinderin hin -und hergeschüttelt wurde. Das Spiel dauerte den ganzen Tag und am Abend gab es dann Semmelknödel mit Pilzsoße….Hmm….Ich liebe gutes Essen und meine Pfadfinderin nicht weniger. Ziemlich müde krochen abends alle in die Schlafsäcke.

Am nächsten Morgen ging es ab nach Wien! Der schöne, sonnige Tag war angefüllt mit tollen Programmpunkten. Wir durften zur Hofburg, in die Schatzkammer und später sogar zum Stephansdom! Ich konnte mich nicht an mich halten und musste immer wieder aus der Rocktasche hervorschauen. So schön war das alles! Und dann kam für mich die Überraschung: Ich durfte zum ersten Mal in ein Konzert. Logisch, zum ersten Mal! Wer nimmt denn sonst ein Taschenmesser mit in ein Konzert? Die Stücke von Mozart und Strauß waren beeindruckend und erst spät abends machten wir uns auf den Weg zum Lagerplatz.

Samstag = Waschtag! Und zwar nicht mit der Waschmaschine, wie zu Hause, sondern im Wasserfall. Leider durfte ich nicht mit meiner Pfadfinderin planschen. Ich roste nämlich viel zu schnell. Aber vom Lagerplatz hörte ich ihr Lachen und lautes Singen. Abends fand der Kochwettbewerb statt…. Darüber will ich nicht so viele Worte verlieren. Das nächste Mal gehe ich auf jeden Fall woanders essen, die Spätzle waren nämlich nicht ganz nach meinem Geschmack! Aber es ist ja auch schwer auf einer Lagerbaute zu kochen.

Am Sonntag fuhren wir nach Graz. Dort besuchten wir die Hl. Messe und durften zur Geburtstagsfeierlichkeit von Pater Amselgruber auch drei Lieder singen… die Pfadfinderinnen haben natürlich gesungen, ich quietsche dafür zu sehr und bin auch schon zu alt.

Am Montag wurden wir auf Hajk geschickt. Ich durfte mit meiner Pfadfinderin und ihrer Gilde nach Aigen laufen. Dort nahm uns eine sehr gastfreundliche Familie auf, bei der wir sogar im Heu übernachten durften. Am anderen Tag ging es wieder zurück. Auf einem Hajk muss man Aufgaben, die einem gestellt werden, erfüllen und dann bei der Führung abgeben. Es waren zwei tolle Tage, in denen wir die schöne Landschaft kennen lernen durften.

Am Mittwoch war unser Besuch in der Seegrotte angesagt. Wir fuhren Bötchen auf dem See unter der Erde und verirrten uns mit Absicht in den Gängen. Die Führerin erklärte uns viel und so konnte auch ich mich mit meinem Metallgehirn weiterbilden. Meine Pfadfinderin kaufte sich im Anschluss daran Ansichtskarten, um ein paar liebe Grüße nach Hause zu senden, bevor wir uns am Tag darauf wieder ans Abbauen machten.

In der Nacht gab es dann aber noch einen Zwischenfall. Die Sarazenen griffen uns an! Raus aus den Federn und die Entführten suchen, hieß es für die Pfadfinderinnen. ICH durfte in der Tasche liegen bleiben. Am anderen Tag wurde alles abgebaut und abends gab es einen bunten Abend. Der war aber auch sehr lustig! Barbara spuckte Feuer und auch die sonstigen Beiträge waren einfallsreich und witzig.

Schade, dass das Lager schon vorbei war. Aber ich, wie auch die anderen fünf Gegenstände, wir freuen uns schon sehr mit den Pfadis auf das nächste Lager!

Gut Pfad, Katharina Plattner

Bitte helfen Sie uns in diesen schwierigen Zeiten
den Bestand unserer Schule zu sichern - mit einer Patenschaft!

Infos finden Sie hier.

Keine Artikel in dieser Ansicht.