Sommerlager 2008
Eine Geschichte von der alterwürdigen Fürstin Amalie Zephyrine aus dem Haus Hohenzollern-Sigmaringen
Sommerlager 2008 der Raiderrunde "Hl. Martha" im schwäbischen Donautal
Ich, Fürstin Amalie Zephyrine aus dem Haus Hohenzollern-Sigmaringen möchte euch eine kurze Geschichte erzählen:
Als mein Blick von meinem steinigen Lieblingsplätzchen zum ersten Mal auf eine lachende und meine Mittagsruhe störende Gesellschaft blau gekleideter Mädchen fiel, war es schon dreiviertel Drei. Ein herrlicher Sonntag im Juli. Sie kamen aus meiner Ahornallee, die vom Kloster Inzighofen zum Amalienfelsen hoch über der Donau führt. Das Kloster hat - Gott sei's geklagt - das Dasein einer alten Ruine ereilt. Einige Gebäude sind aber zu meiner größten Freude noch erhalten und wohl gepflegt. Der schönste Fleck der Anlage ist der Kräutergarten, mein Augenstern. Ich hörte die Mädchen, es waren Raiderinnen, noch voll Bewunderung von der Schönheit und Vielfalt der Pflanzen erzählen.
Wie ich der weiteren Unterhaltung entnehmen konnte, war dies der zweite Tag ihres Sommerlagers. Alles begann am 28. Juli, einem Samstagnachmittag. Blandine, Christina, Christiane und Sarah trafen sich am Bahnhof. Christiane lud alle in ihr Auto ein und dann ging's los. Gemeinsam fuhren sie nach Beuron, einem großen Benediktinerkloster. Der Tag war regnerisch. Sie besichtigten die Klosterkirche und unternahmen in der Gegend noch eine zweistündige Wanderung. Eigentlich war geplant, abends an einer Feuerstelle zu grillen. Dummerweise konnten sie aber die dafür eigens errichtete Feuerstelle in den Wäldern nicht finden. So mussten sie sich unverrichteter Dinge nach Straßberg aufmachen, um dort in einem verlassenen Häuschen eine Unterkunft zu finden. Das Grillen wurde dann in Straßberg nachgeholt. Anschließend fand eine kleine Singerunde statt.
Nach einer kurzen Nacht, wurde eifrig gepackt und ab ging die Fahrt. Na, wohin wohl, wenn Sonntag war? Könnt ihr's erraten? Wieder zu einem Kloster. Diesmal handelte es sich um das Schwesternkloster der Priesterbruderschaft in Göffingen. Dort wohnten sie der Frühmesse bei.
Hochherrschaftlich ging es dann in der Mittagstunde zu, denn die lustige Gesellschaft visitierte das Schloss zu Sigmaringen. Der fürstliche Zeitvertreib begann wie zu alten Zeiten mit einem Picknick in der Nähe des Schlosses. Eine Führung durch die Schlossanlage zeigte ihnen die prunkvollen Säle, reich ausgestatteten Räume, die fürstlichen Sammlungen und die größte private Waffensammlung Europas mit rund 3.000 Objekten. Außerdem konnten die kostbaren Gobelins und zahlreiche Jagdtrophäen von den Raiderinnen bestaunt werden. Der Aufenthalt in den Schlossanlagen ging mit der Besichtigung des Marsstall- und Kutschenmuseums, einem Museum für höfische Fahrkultur mit Schlitten und Sänften, zu Ende.
Darauf kamen sie nach Inzighofen und damit zu meinem fürstlichen Felsen. Soviel erfuhr ich bei meiner ersten Begegnung von den Raiderinnen. Aber es sollte nicht das letzte Mal sein, dass ich sie traf. Es war wieder einmal ein sonniger Tag. Der darauf folgende Dienstag. Drei müde und sonnengebräunte Raiderinnen erklommen meinen Felsen und hielten Mittagsrast. Während sie ihre gut bürgerliche Mahlzeit einnahmen, konnte ich erfahren, was in den beiden vergangen Tagen passiert war:
Nachdem sie Inzighofen am Sonntag verlassen hatten, machten sie sich auf die Suche nach einem geeigneten nächtlichen Rastplatz, dem Zeltplatz. Die örtliche Touristeninformation empfahl ihnen einen Jugendzeltplatz in Oberschmeien. Die Fahrt zum hoch oben auf den Wiesen von Oberschmeien gelegenen Zeltplatz war wunderschön. Da dort unerwarteterweise eine Sommerfreizeit der Evangelischen Freien Gemeinden stattfand, einigte man sich schnell. Gastfreundlich und hilfsbereit wurde ihnen von der Lagerleitung eines der großen freien Zelte zur Übernachtung angeboten.
Sie waren fasziniert von den Bauten, die sich auf dem Zeltplatz befanden. Es gab sogar eine selbstgebaute Riesennetzschaukel und eine Rutsche.
Vor allem staunten sie nicht schlecht über das auf dem Zeltplatz aufgebaute "Zelt der Stille". Es vermittelte das Thema „Der breite und der schmale Pfad". Reue, Vergebung und Gottes väterliche Liebe wurden dort ebenso dargestellt wie die dunkle Sackgasse der Reuelosigkeit und Gottesferne.
Abgerundet wurde der Tag mit einem "Bunten Abend", bei dem Sarah mich, Amalie Zephyrine zum Besten hielt. Gespielt haben sie meinen angeblichen Tod, bei dem ich mich mit meinem Pferd von meinem anfangs schon beschriebenen Lieblingsfelsen stürzte. Der Erfolg dieser Komödie (anders kann man es ja wirklich nicht nennen!) war grandios. Sowohl die Zuschauer als auch die Schauspieler krümmten sich vor Lachen! Immer wieder hörte man ein unterdrücktes Lachen, wenn sie an diese Geschichte zurückdachten.
Christiane verließ dann die Raiderinnen, da sie wochentags arbeiten musste. Da lobe ich mir die alten Zeiten! Damals als ich so jung war, war noch alles anders!
Die anderen Drei hatten am Regen durchwachsenen Montag eine Wanderung im Schmeiental unternommen.
All das konnten meine fürstlichen Ohren an diesem schönen Dienstagmittag erfahren. Die Mittagsruhe, sie nannte sie "Stille Stunde", wurde jedoch jäh unterbrochen, als ein paar Touristen ebenfalls auf meinen Felsen stiegen. Die Raiderinnen packten ihre sieben Sachen und machten sich wieder auf, um zu ihrem Zeltplatz in Oberschmeien zurückzulaufen.
Doch wie ihr wisst, sind aller guten Dinge drei.
Am nächsten Mittag picknickten die drei Raiderinnen schon wieder in der Nähe meines Felsens. Sie waren mit einem Kanu Nahe bei Hausen im Tal eingestiegen und auf dem Weg nach Dietz. Christinas Vater hatte ihnen sein Boot geliehen und sie nach Hausen gefahren. Nun saß er auch beim Picknick dabei und ließ es sich schmecken. Allmählich merkte ich, dass auch sie die gleiche Vorliebe hegten wie ich. Auch sie hielten sich gerne in der Nahe der Felsen an der Donau auf. Das Donautal ist eben an meinem Felsen besonders schön.
Auf der dem Felsen gegenüberliegenden Sandbank, war es sehr gemütlich und schön. Leider konnten sie nur eine knapp halbe Stunde dort verweilen, denn die Zeit drängte. Ja, ich erfuhr mit Tränen in den Augen, dass heute schon der letzte Tag ihres Sommerlagers war. Eigentlich hatte ich mich gerade an die Mädels gewöhnt.
Die Raiderinnen wollten noch schnell bis zur Bootsrutsche in Dietz fahren und dann ging es auch schon wieder zum Zug. Dank Christinas Vater, der sie in Dietz abholen und zum Bahnhof fahren wollte, hatten sie überhaupt erst diese idyllische Fahrt auf der Donau machen können. Ich konnte ihnen die Freude vom Gesicht ablesen.
Nun wird es sicher wieder langweilig auf meinem Felsen und ein Tag wird dem anderen gleichen.
Oder kommst auch du mich, Amalie Zephyrine von Salm-Kyrburg, Fürstin von Hohenzollern-Sigmaringen mal besuchen?
Herzlichst Gut Pfad!
Sarah Dörr (Raiderrunde Heilige Martha)
