Unterricht bei Schwester Michaela

Wie die Art der Nahrung für das körperliche Befinden und die leibliche Gesundheit wichtig ist, so besitzt Musik – gerade für heranwachsende Menschen – starken Einfluss auf das Seelenleben und das sich daraus ergebende Verhalten. Musik, die häufig gehört wird, prägt dementsprechend Empfinden und Lebensgefühl eines Menschen. Ein bedeutsames Ziel des Musikunterrichtes besteht also darin, Wirkungsweisen von Musik zu erkennen und ihren Einfluss auf das persönliche Leben sowie auf die gesamte Kultur zu registrieren und begründet zu bewerten.

Dazu sollen im Unterricht Gefühle und Stimmungen, die ein Musikstück auslösen kann, erfasst werden; dann ist zu untersuchen, welche musikalischen Mittel diese Wirkungen hervorrufen, damit das Ergebnis für die Beschäftigung mit anderer Musik fruchtbar gemacht werden kann. Auf diese Weise kann gelernt werden, Musik wertschätzend, gegebenenfalls aber auch kritisch zu hören und über die Auswirkungen verschiedener Umgangsweisen mit Musik nachzudenken, außerdem über Bezüge zwischen Musik und allgemeiner Geistesgeschichte. Dies unterstützen auch Exkursionen, etwa Besuche von Opern und Konzerten, sowie eigene kreative Tätigkeiten, beispielsweise praktisches Musizieren und Erstellen eigener Kompositionen im Unterricht.

In diesem Zusammenhang ist beachtenswert, dass Musik ganz unterschiedliche Empfindungsweisen hervorrufen oder fördern kann; es ist einerseits möglich, dass sie „die engen und drückenden Schranken des Endlichen durchbricht, in die der Mensch eingeschlossen ist, solange er hinieden lebt, und dass sie seinem nach dem Unendlichen verlangenden Geist gleichsam ein Fenster öffnet“, so dass „die durch die Kunst veredelten, erhobenen und vorbereiteten Seelen eher befähigt (sind), die religiöse Wirklichkeit und Gnade Jesu Christi aufzunehmen.“ (Pius XII.) Dies ist eine Haltung, die die abendländische Musiktradition in vielen großartigen Werken, etwa den Kompositionen J. S. Bachs, Mendelssohns oder Bruckners ganz deutlich ausstrahlt. Musik kann auf der anderen Seite aber auch Menschen dazu verleiten, sich ziellos treiben zu lassen, es vor allem bequem haben zu wollen und nicht nach höheren Dingen zu streben nach der Devise, dass alles weitere egal ist, wenn nur der Spaß stimmt, wie dies in den Produktionen der Rock- und Popmusik häufig der Fall ist. Der Musikunterricht soll nun in allen diesen Fällen die Zusammenhänge von Wirkungen und musikalischen Strukturen einsichtig machen und es hierbei fördern, dass die Schülerinnen Musik kennen und schätzen lernen, in der „eine Harmonie des Endlichen mit dem Unendlichen, des Zeitlichen mit dem Ewigen, des Menschen mit Gott“ (Pius XII.) zum Tragen kommt und dementsprechend ihre Persönlichkeit prägt.

So soll der Unterricht das tiefere Eindringen in die Tradition der abendländischen Musik (vom 10. bis zum 21. Jahrhundert) ermöglichen und den prinzipiellen Zusammenhang ihrer Strukturen mit einem christlichen Kulturverständnis aufzeigen, indem etwa zielgerichtete Harmonik (mit Dissonanzen und ihrer Auflösung als Widerspiegelung der Sehnsucht nach einem Ziel) oder polyphone Mehrstimmigkeit (in der jeder Stimme eine individuelle Freiheit sowie andererseits eine sinnvolle Einordnung in das ganze Gefüge zukommt) als typisch abendländische Phänomene verstanden, aber auch ein wenig bestaunt werden können. Dabei haben nicht nur Bach und Mozart gute Musik komponiert, sondern auch z. B. Perotin (12. Jh) oder Maurice Duruflé (20. Jh.). Und nicht alles, was beim ersten Hören vielleicht Mühe bereitet, ist wertlos – im Gegenteil erfordert gute Musik häufiger ein tieferes Eindringen, das sich dann allerdings lohnt.

Das Unterrichtsfach Musik wird am St.-Theresien-Gymnasium über die Obligatorik hinaus von der 5. bis zur 9. Klasse durchgehend zweistündig unterrichtet und von einem dreistündigen Musik-Grundkurs in der Oberstufe fortgesetzt.

Dr. Peter Wessel (2016)

 

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