Unterricht bei Schwester Michaela

Kunst ist – wie Musik – ein Fach, das sich nicht nur an den Verstand des Menschen wendet, sondern vor allem an das Empfindungsvermögen. Die Kunst beeinflusst daher den ganzen Menschen: Den Geist, das Gefühlsleben und das Gemüt. Kunst kann die Seele erheben, beglücken und zu geistigem Streben animieren. Die Gemüts- und Herzensbildung steht im engen Zusammenhang mit der visuellen Kultur.

Deshalb hat das Fach Kunst am St.-Theresien-Gymnasium einen bedeutenden Stellenwert, denn es ist für die Charakterbildung zur christlichen Persönlichkeit wichtig. Die Schülerinnen sollen einen Sinn für das Wahre, das Schöne entwickeln und ihr Empfindungsvermögen schulen. Sie lernen im Kunstunterricht eine Vorstellung, einen Gedanken auf ihre ganz persönliche Art zu einem Kunstwerk (einer Grafik, einer Malerei, Collage, Fotografie, Plastik, Skulptur oder einem Objekt) zu gestalten. Sie erfahren, dass ihr Kunstwerk gleichsam als eine Art Handschrift, als Dokument einer christlichen Persönlichkeit, einer kulturellen Phase oder einer bestimmten Weltanschauung gesehen werden kann.

Die Ausstellungen von Schülerkunstwerken in Internat und Schule, die Weihnachts- und Osterkarten und die Bühnenbilder für unser Schultheater spiegeln dies wider. Diese kulturelle Mitgestaltung, die Erfahrung, als Schülerin auch in der eigenen Umwelt wirken zu können, tragen dazu bei, die eigene Lebenswelt später so zu begreifen, dass verantwortliches Mitgestalten in ihr sinnvoll ist. Gerade in unserer Gesellschaft mit ihren vielfältigen Identifikationsangeboten ist es wichtig, dass die Schülerinnen sich nicht nur konsumierend verhalten, sondern auch selbst kreativ gestaltend tätig werden. Ein Mädchengymnasium ist besonders geeignet, auch die textile Kunst (Malerei auf Stoff und Seide, Applikationen, Stickereien u. v. m.) mit in den Unterricht einzubeziehen. Die Grundlage jeglichen Gestaltens ist der Erwerb eines Grundwissens, bei dem wir besonderen Wert auf das Erlernen der Farben- und Formenlehren, der Formgestaltungen und ihrer Gesetzmäßigkeiten, der jeweiligen Technik und der Kunstgeschichte legen, denn erst dieses Fundament an Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten ermöglicht ein ästhetisch-künstlerisches Gestalten.

Unsere Ideen und Anregungen für unsere Kunstwerke entspringen dem Studium der Natur, der Auseinandersetzung mit Natur und Gesellschaft, ihren Strukturen und Gesetzmäßigkeiten. Anknüpfungspunkt bietet die Betrachtung mittelalterlicher Werke, die wir im Wallraf-Richartz-Museum, im Museum Schnüttgen oder im Diözesan-Museum in Köln regelmäßig bewundern. Hilfreich im Sinne eines großen Ideenfundus ist auch der fächerübergreifende Unterricht, insbesondere mit den Fächern Religion und Kirchengeschichte, in dem in letzter Zeit u. a. Heiligenfiguren, Zeichnungen und Malereien nach dem Alten und Neuen Testament entstanden. Zusätzlich zu unseren Museumsexkursionen besuchen wir in der näheren Umgebung Künstler in ihren Werkstätten, die uns in ihre Techniken einführen und sie uns ausprobieren lassen. Der Kunstunterricht wird in der Sekundarstufe I (5.–9. Klasse) fortlaufend zweistündig erteilt. Die Schülerinnen der Mittelstufe (7.–8. Klasse) sowie die Schülerinnen der Oberstufe (10.–12. Jahrgang) haben zusätzlich die Möglichkeit, an einer der beiden Kunst-AGs teilzunehmen.

Unsere Schülerinnen zeigen mit ihren guten Ergebnissen, dass sie die im Unterricht gelegten Grundlagen anspruchsvoll und kreativ im Sinne unserer christlichen Weltanschauung umzusetzen verstehen. Sie beteiligen sich regelmäßig an Jugendkunstwettbewerben. Bisher gewannen sie bereits viele Preise bei dem Wettbewerb der Kunstakademie Heimbach/Eifel sowie dem Kunstwettbewerb der Volks- und Raiffeisenbanken.

Anne Kleinespel (2016)