25.06.21

Nachbetrachtung einer Schülerin zur „Weißen Rose“-Ausstellung

Die Ausstellung rund um das Thema „Weiße Rose“, die vom 27. Mai bis zum 25. Juni 2021 in unserer Schule stattfand, ließ uns eine Reihe vorbildlicher Persönlichkeiten kennenlernen. Was uns besonders faszinierte, war der Umstand, dass die Mitglieder dieser Widerstandsgruppe zum Zeitpunkt ihres Todes so außerordentlich jung gewesen waren – zwischen 21 und 26 Jahren. Mehrere Mitschülerinnen meinten: „Ich finde, dass sie alle sehr mutig waren. Ich selber hätte den Mut wohl nicht gehabt.“ Was diese jungen Menschen dazu befähigte, Widerstand zu leisten, war die Tatsache, dass sie, trotz ihrer Jugend, reife und gefestigte Persönlichkeiten waren. Doch welche Faktoren spielten bei der Persönlichkeitsbildung der Mitglieder der „Weißen Rose“ eine Rolle? Es waren Freundschaft, Bildung und Glaube.

Am Beispiel des Freundeskreises um Hans Scholl und Christoph Probst ist deutlich zu sehen, dass Freundschaft nicht nur aus gemeinsamen Unternehmungen besteht. Ziel der Freundschaft ist nicht ausschließlich, dass man Spaß zusammen hat, sondern auch, dass man einander nach oben zieht, in einem geistigen Sinne. Alexander Schmorell konnte über Christoph Probst sagen, dass dieser ihn besser gemacht und in geistige Höhen mitgezogen habe. Wäre es nicht schön, dasselbe über unsere Freunde sagen zu können?

Der Hauptgrund unserer Anwesenheit am St.-Theresien-Gymnasium ist unsere geistige Bildung. Wie oft vergessen wir, warum wir eigentlich lernen. Auch an dieser Stelle sind die Mitglieder der „Weißen Rose“ für uns beispielhaft. Lesekreise, Diskussionsrunden und vor allem philosophische, literarische und religiöse Lektüren umgaben ihre Universitätsstudien. Sie lasen Dostojewski und Thomas Mann, Goethe und Schiller, die „Bekenntnisse“ des heiligen Augustinus und die Autoren des „Renouveau catholique“… Wie hätten die Mitglieder der „Weißen Rose“ die Falschheit der NS-Ideologie entlarven können – sie, die sie zunächst ebenfalls befürworteten –, wenn nicht durch einen wachen Geist, der sich durch Bildung große geistige Welten erschlossen hatte? Es ist sehr viel leichter einem Unwissenden eine Lüge aufzutischen, als einem, der die Wahrheit kennt, sie liebt, und bereit ist, für sie zu sterben. Vergessen wir also nie, dass Bildung dazu in der Lage ist, den Geist frei zu machen von Irrtümern und Unwissenheit und uns dadurch vor Ideologien zu schützen vermag.

Den wichtigsten Punkt in der Persönlichkeitsbildung dieser jungen Menschen bildete der Glaube. So heißt es im vierten Flugblatt: „Wohl ist der Mensch frei, aber er ist wehrlos wider das Böse ohne den wahren Gott, er ist wie ein Schiff ohne Ruder, dem Sturme preisgegeben, wie ein Säugling ohne Mutter, wie eine Wolke, die sich auflöst.“ Bildung und Freundschaft tragen also nur Früchte, wenn man sie im Licht des Glaubens betrachtet. Wenn Freunde nicht Gott in den Mittelpunkt ihrer Freundschaft stellen, dann zerbricht diese früher oder später. Bildung kann einen ebenfalls auf Irrwege führen, wenn man das Gelernte nicht kritisch zu beurteilen weiß. Der Glaube bringt Licht ins Dunkel. Ein von Hans Scholl sehr geschätztes Zitat des bereits erwähnten Paul Claudel lautet: „Das Leben ist ein großes Abenteuer hin zum Licht.“ Mit dem Licht ist an dieser Stelle natürlich Gott gemeint. Wir sollen unser Leben auf Gott hin ausrichten und alles was wir tun, in seinem Licht vollbringen.

Es waren diese drei Leitmotive, die den Mitgliedern der „Weißen Rose“ Richtschnur und Orientierung gaben. So konnten sie das Gute vom Bösen unterscheiden. Der ungeheure Mut, den sie aufbrachten, erwuchs aus ihrem Vertrauen auf Gott und war letztlich nichts als Gnade. So schrieb Christoph Probst am Ende seines Lebens an seine Schwester: „Vergiß nie, daß das Leben nichts ist als das Wachsen in der Liebe und ein Vorbereiten auf die Ewigkeit.“ Wenn wir uns an den Leitmotiven dieser mutigen jungen Menschen orientieren, dann brauchen wir keine Furcht zu haben vor schweren Entscheidungen. Dann werden wir wissen, was wir zu tun haben und der Rest wird uns durch die Gnade Gottes dazugegeben werden.

Julia Eckert (11. Jg.)