Was wir von Sokrates lernen können

Veröffentlicht am: 22.06.2026|Lesezeit: 2 min|

Das Individuum – eine „Erfindung“ der Antike? Um dieser Frage genau auf den Grund zu gehen, versammelten sich am Samstag, den 18.04.2026, einige interessierte Schülerinnen und Lehrkräfte im Medienraum, die sich den Vortrag des Latinisten Michael Gröbel über den Philosophen Sokrates nicht entgehen lassen wollten.

Sokrates ‒ (k)ein typischer Philosoph

Wer von diesem Denker erwartet, dass er den ganzen Tag in seiner stillen Kammer saß und Bücher schrieb, der hatte sich gründlich geirrt: Sokrates war weder ein eingebildeter Autor, noch ein Menschenfeind. Ganz im Gegenteil: Es zeigte sich im Laufe des Vortrags immer mehr, dass Sokrates ein sehr einfaches und gottesfürchtiges Leben führte und versuchte, die Menschen zu verstehen. Deshalb war er häufig auf dem Markt oder anderen öffentlichen Plätzen zu finden, wo er sich mit ihnen persönlich unterhalten konnte.

In seinen Gesprächen versuchte Sokrates herauszufinden, was uns zu einem guten Menschen macht. Aus diesem Grund hakte er nach und stellte viele Fragen. So merkten viele Gesprächspartner nach einer Weile, dass sie doch gar nicht so viel wussten, wie sie dachten. An dieser Stelle erklärte Herr Gröbel in einem kurzen Einschub den Dunning-Kruger-Effekt, der besagt, dass Unwissenheit psychologisch oft zu mehr Selbstvertrauen führt als Wissen! Sokrates schien das schon damals bewusst gewesen zu sein, und mit seiner Selbsterkenntnis „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, stellte er sich dem klar entgegen.

Ich weiß, dass ich nichts weiß

Auch wenn dieser berühmte Mann lange vor uns gelebt hat, so kann er uns doch auch heute noch durch seine Lebensart ein Vorbild sein. Denn, wer wie er selbst keine äußere Bestätigung braucht und nicht immer der Beste sein muss, gewinnt innere Freiheit, ist offener für andere und wird glücklich und zufrieden. Mit diesen Gedanken stellt Sokrates den Menschen als Persönlichkeit in den Vordergrund und setzt ihn über die Erwartungen der Gesellschaft, weshalb man von ihm behaupten kann, dass er einen wesentlichen Grundstein für unser heutiges Verständnis des Individuums gelegt hat. ( M.G., Klasse 10)

Bild: Jacques-Louis David, „Der Tod des Sokrates“ (1787). Quelle: Wikimedia Commons (Ausschnitt).

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